Die Geschichte der Lürbke

Die Lürbke
Der Name "Bieber" kommt im Jahre 1152 erstmalig vor, wird 1354 nochmals erwähnt Und ist im 14. und15. Jahrhundert die ständige Bezeichnung für den sogenannten Bieberhof (heutige Besitzung Evers in der Lürbke). Dieser Ortsteil Bieber lebt heute noch im Plattdeutschen. Bei uns heißt es „op der Bieber“, das ist eine Ausdrucksweise, die auf eine uralte Vergangenheit zurückgeht.

Diese „Bieber“ umfasst drei Keimzellen:

1.
den Bieberhof, 2. die Lürbke und 3. die Bremke.





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Der Bieberhof

zu 1. Schon im Jahre 1152 nennt eine Urkunde Heinrich des Löwen das Vorhandensein einer Eigen- oder Hofeskapelle oberhalb des Bieberhofes, gestiftet von einem Mitglied des sächsischen Herrscher Hauses. Die Urkunde berichtet, dass eine Verwandte Herzog Heinrichs des Löwen mit Namen Osterlind, diese Kapelle dem Kloster Scheda senkte „ mit Feldern und Wäldern, Wiesen und Weiden und allem Zubehör“ 1496 kommt der Bieberhof durch tausch an das Kloster Oelinghausen. Der Pfarrer muss jetzt in der Lürbker Kapelle den Gottesdienst halten, „wie in den übrigen Hofeskapellen“.
Um 1600 schreibt Pfarrer Schmidtmann die kirchlichen Recht der Pfarrei auf. Der Pfarrer besitz demnach das Recht, für die Bieberkapelle einen geistlichen einzusetzen. Er bedauert aber, anlässlich einer Vistitation, dass die Kapelle „ in Abgang geraten“ sei; „ dass kein geistlicher Aldar (Altar) gefunden“ wurde, „was vor Gott Unrecht“.
Es ist mit Sicherheit anzunehmen, dass diese erste Kapelle bei dem Durchzug der Truppen des Truchseß durch unsere Ortschaft nach Oelinghausen (1578), zerstört wurde und das nach der Plünderung des Klosters Oelinghausen kein neuer Geistlicher mehr kam, um den Gottesdienst zu halten.

Wenn die Bruderschaft Lürbke im Jahre 1952, also genau 800 Jahre nach der ersten urkundlichen Erwähnung, ein neues Gotteshaus, die St. Hubertus-Kapelle, erbauen und einweihen konnte, so ist diese Tatsache das größte Ereignis der letzten tausend Jahre in der Geschichte der Ortschaft. Sie hat damit das Unrecht gutgemacht, worüber Herr Pfarrer Schmidtmann vor 350 Jahren geklagt hat. Seither feiern die Lürbker Schützenbrüder das Kirchweihfest mit dem Schützenfest zusammen.

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Der Lürbecker Hof (heute Ostermann)

zu 2. Die Zweite Zelle ist der Lürbeckerhof, den jetzt die Familie Ostermann besitzt. Dieser hat seinen Namen vom „Lürwald“ bekommen, einem zusammenhängenden Waldgebiet, das ursprünglich bis Paderborn reichte. Im 9. und 10. Jahrhundert wird er schon erwähnt. Auch der Lürbach oder Lürbkebach ostwärts des Hofes trägt heute noch seinen Namen.
Die Besitzer diese Hofes nannten sich „Lürbecker“, „Lorbecker“ oder „Lürbker“ 1563 wird erstmalig ein Lürbecker in einem Schätzungsregister genannt.
Am 17. März 1631 wird ein Tonis Lürbecker als Hexe verbrannt, nachdem bereits sein Vater, die Mutter, eine Schwester und ein Bruder hingerichtet worden sind. Außer diesen Personen fielen den Hexenwahn Peter Essekamp (Bremke), die Mutter des Peter auf dem Essekampe und Peter in der Biffer (Bieberhof) sowie 6 weitere Lendringesr Bürger zum Opfer. Ganze Familien wurden aufgrund vom Denunziation und Geständnissen, die aus Angst vor der Folter gemacht wurden, ausgerottet. Ein grausamer Verbrennungstod auf dem Scheiterhaufen in Menden war die Strafe für die erfundenen Verbrechen.
Noch heute erinnern die Namen von einigen Hexentanzplätzen an die Zeit jener Verfolgungen: in Böingsen „ die Hexentanzplätze an der langen Straße, am Kelhaus gegen Bremke, am Breitenbroich boven Bremecke, in Oelinghausen an der Heide“.
Den Lürbeckern hat, trotz der vielen Opfer, die der Hexenwahn in ihrer Familie forderte, der Lürbeckerhof bis zum Jahre 1836 gehört. Als im Jahre 1663 für die Lendringse Kapelle am Salzweg eine Glocke gekauft wird, stiftet Jobst Lorbecker freiwillig einen Reichstaler und ein Jahr danach nocnhmals ½ Reichstaler. Kein Bauer der gesamten Bauernschaft Böingsen spendete mehr.
Bis zum Jahre 1804 ist der Lürbeckerhof an das Kloster Oelinghausen zehntpflichtig. Er muss jährlich folgende Abgaben leisten:

2 Mähetage = 7 Silbergroschen 6 Pfennig
2 Pfd. Wachs = 25 Silbergroschen
Hofespacht = 25 Silbergroschen
Gewinn = 11 Silbergroschen 3 Pfennig
----------------------------------
= 2 Reichstaler 8 Silbergroschen 9 Pfg.

Nach der Säkularisation erhält die Königliche Regierung in Arnsberg als Rechtsnachfolgerin des klösterlichen Besitzes jährlich 1 Taler 27 Silbergroschen und 9 Pfennige Preußisch Courant.

Auch das Geschlecht derer von Dücker auf Gut Rödinghausen spielt in der Geschichte des Lürbeckerhofes seit 1831 eine Rolle. Freiherr von Dücker tritt als Geldgeber auf. Für ein Darlehen von 2820 Reichstaler, davon 2265 in Gold an Theodor Lürbecker bezieht der Freiherr von Dücker jährlich:

a) einen Werler ( später Mendener) Scheffel Hafer ( Roggen),
b) einen Hahn,
c) 26 ( später 21) Handdienste, wobei der Dienstmann eine Mittagsmahlzeit erhielt.

Außer diesen Abgaben an das Kloster Oelinghausen und den Freiherrn von Dücker bestehen im Jahre 1840 noch folgende Verpflichtungen auf dem Lürbeckerhof:

a) die Pfarre von Menden bezieht jährlich einen Mendener Scheffel Meßhafer,
b) der Lehrer von Lendringsen erhält jährlich zwei Mendener Becher Roggen ( Läutekorn) und 7 Silbergroschen Hartgeld.

In früheren Jahrhunderten spielte die Viehwirtschaft und damit die Hude eine wichtige Rolle. Die Lürbeckers besaßen seit alten Zeiten in den Wäldern des Freiherrn von Dücker- rund um die Lürbker Kolonie - das Huderecht, so

a) in „ Bievernberge „ 237 Morgen groß ( die Wälder um den Handweiser bis zur Schule Lürbke)
b) im „ Rauhenholze“, ( westlich des Lürbkebaches bis an die Mendener Gemarkung) das ganze Jahr hindurch mit 2 Pferden, 8 Kühen, 8 Stück Jungvieh, 4 alten und 4 jungen Schweinen,
c) im „ Luerwald“ und in der „ Oesberner Mark“ mit 3 Pferden, 5 Kühen, 5 Rindern, 1 alten und 5 jungen Schweinen. Allein in den beiden letzten Hudegebieten trieben 16 Lendringser Bauern 122 Kühe, 135 Rinder, 41 Pferde, 4 Fohlen, 80 alte und 126 junge Schweine, 200 Schafe und 100 Lämmer, außerdem die Stadt Menden 308 Rinder.

Freiherr von Dücker zu Rödinghausen stellt 1836 den „ Antrag auf Hudebefreiung seines ihm eigentümlich gehörigen Waldes“.
Der Lürbeckerhof erhält hierdurch beträchtlichen Land- bzw. Wertzuwachs:

a) 90 Ruten Land für die Hudegerechtigkeit in Bievernberge ( 9.7.1836)

b) 11 Morgen 66 Quadratruthen für die Hudebefugnisse im Rauhenholze ( 12.5.1840). Das hinzugewonnene Land liegt zwischen der Kolonie des Caspar Dornsiepen- Weiland Schmied in Lürbke. - uns noch bekannt als Wohnhaus der Familie Benken - dem Hause des Theodor Wern ( heutige Besitzung Krepcke, Droste) und dem Lürbkebach. Das stehende Holz läßt der Freiherr von Dücker abtreiben. Er behält auch noch das Jagdrecht auf diesem Ackerstreifen
c) anstelle von 35 Morgen 92 Ruthen im Lürwald eine Geldabfindung von 258 Reichstalern 7 Silbergroschen 7 Pfennig ( 13.11.1845)
Hiermit hörte das Hüterecht in den Waldungen des Freiherrn von Dücker auf.

1838 erlischt der Name Lürbecker, männliche Erben fehlen.

Angela Lürbker, die älteste der 4 Töchter des Theodor Lürbke erbt den Hof und heiratet den Eberhard Vogt aus Lendringsen. Der „Übertrag“ spricht von „ Eberhard Vogt, genannt Lürbke“. Nebenbei soll erwähnt werden, daß ihre Schwester Maria Catharina Lürbker den Schneidermeister Franz Groß in Lürbke heiratete, den Urgroßvater der Gebrüder Franz, Heinrich und Hubert Groß. Zwei Generationen hindurch hat dieser Zweig der Familie Vogt den Lürbecker Hof bewohnt.

Als 1872 Heinrich Vogt stirbt, kommt der Hof in den Besitz seiner Tante Maria Vogt, die den Bauern Heinrich Ostermann, Werringsen, heiratet. Der Hof wird von 1875 - 1891 verpachtet. Im Frühjahr des Jahres 1891 übernimmt Fritz Ostermann, ein Sohn der Eheleute Heinrich und Maria Ostermann, geborene Vogt, den Hof. Noch heute bewirtschaftet ihn die Familie Ostermann.

Im Jahre 1899 brennt das Lürbeckerhaus ab, nachdem es 203 Jahre gestanden hat und der Hof wird neu in seiner heutigen Gestalt aus Bruchsteinen errichtet. Ein typisch westfälisches Bauernhaus verschwindet damit aus dem Ortsbild. Es stand etwa 100 m nördlich des jetzigen Bruchsteinhauses, mit der Vorderfront in Richtung Lürbkebach, nicht wie heute der Lürbker Straße zugekehrt.

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Das Gut Bremke

zu 3. Die dritte Kernzelle ist die sogenannte Bremke, früher auch „ Bredenbecke“ genannt. Besitzrechtlich spielt hier das 1174 gegründete Kloster Oelinghausen eine Rolle. Dieses Kloster bekommt einen immer größeren Besitz durch Erbschaft, Tausch und Kauf.1223 tauscht das Kloster in Gegenwart des Grafen Gottfried von Arnsberg eine Hufe Land in Bremke von dem „Kriegsmann Eberhard“, gegen eine solche in Rimbeck. Am 27. Dezember 1392 verkauft der Adlige Heynrich Prinz den dritten Teil der Bremker Mark für 80 schwere rheinische Gulden an das Kloster Oelinghausen.

Seit dieser Zeit sind die Bewohner der Bremke Kolonen ( Pächter) des Klosters Oelinghausen. Auf 12 Jahre oder auf Lebenszeit gewannen die Pächter den Hof und hatten dafür zu Martini gewisse Naturalien sowie Hand- und Spanndienste zu leisten. Es liegen Berichte vor, aus denen hervorgeht, daß es den Kolonen unter dem „ Krummstab“ recht gut ergangen ist.

Nach der Auflösung des Klosters Oelinghausen 1804 übernimmt die Hessische Regierung in Wiesbaden die Besitzungen als Domäne. Die ehemaligen Kolonen behalten ihre Höfe und sind jetzt Pächter des Herzogs von Hessen bis zur Übernahme durch den Preußischen Staat im Jahre 1816.

Preußen versucht, die Bauern von ihren Verpflichtungen zu befreien und sie zu ausschließlichen Eigentümern zu machen. Diedrei Höfe der Bremke ( Hessenkemper, Bremke, Bösenhof), wie auch in Lürbke, konnten im Laufe von einigen Jahrzehnten als Eigentum erworben werden. Fast ausschließlich waren die Bauern in der Bremke in der Lage, diesen Verpflichtungen gegenüber dem Preußischen Staat nachzukommen. Größte Einnahmequelle war damals der Erlös aus dem Brennen von Holzkohle, die zur Verhüttung von Eisen im Hönnetal gebraucht wurde.

Zu den Urfamilien kommen neue Leute zur Bremke, sowie zur Lürbke: die Köhler. Sie kommen aus Lothringen, dem Hunsrück und der Eifel. Sie siedeln entlang des Bieberbaches, besonders in der Bremke. Wir können das an den Namen sehen. So kommt ein Oelenberg 1779 aus dem Trierer Raum, da finden wir einen Schulte, Rademacher, dann kommen die Göke, Nikolai, Brinkschulte, Menze, die Groß, Sassen, Rosenstein und Dornsiepen.Zunächst sitzen sie als Einlieger auf den Großhöfen, pachten sich ein paar Morgen Land vom Kloster und bauen sich ein Haus.

Im bäuerlichen Bereich entstehen neue Siedlungen: die Kotten.

Allein in der Bremke entstanden damals 8 neue Fachwerkhäuser. Als die Nachfrage der Holzkohle durch die Industrie zurückging, gerieten die Bewohner der Bremke in immer größere Not. Ein Hof oder Kotten nach dem anderen kam unter den Hammer. Nachdem die Höfe „ Hessenkemper“ ( 1870) und „ Bremkes“ ( 1894) untergegangen waren, kaufte der Baron von Böselager aus Höllinghofen den „Bösenhof“, das heutige „ Gut Bremke“, das damals die Familie Wescher, genannt „ Böse“ besaß.

Viele Siedler in der Bremke und in Lürbke werden jetzt von der Industrie im Haupttal der Hönne angezogen und wandern hinunter in das Hönnetal und lassen sich im Ortsteil Lendringsen nieder.

Die Pfosten des alten stolzen westfälischen Bösenhofes ( im Jahre 1904) wurden mit Pferden auseinandergerissen, und der jetzige Hof errichtet, der unter dem Namen „ Gut Bremke“ bekannt ist und den drei Generationen der Familie Kemper seit dem 1. Oktober 1910 bis zum Jahre 1983 verwaltet haben.

Das Wohnhaus mit Wirtschaftsgebäude befindet sich heute im Besitz der Familie König.

Nahezu 850 Jahre Bieber. Wieviel Menschenschicksale stecken darin. Eines haben die Menschen dieser drei Siedlungsplätze trotz aller Sorgen, Nöte und Gefahren immer gepflegt: echte Nachbarschaft bis auf den heutigen Tag. Möge das immer so bleiben.

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Fotostapel aus der Lürbke

 

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