Die alte Dorfschule

Themen

Lürbke erhält eine Schule ( 1898)
Aus weltanschaulichen Gründen aufgelöst
Die Schule dient als Gefangenenlager
Wiederaufnahme des Schulbetriebs 1946

Die Bruderschaft pachtet das Gebäude
Erweiterung zum Hubertusheim
Die Verwirklichung des Plans

Die Einweihung der Metallplastik
Der Umbau
Bilder zum Umbau

 

Die Ortschaft Lürbke erhält eine Schule ( 1898)

Lürbker Dorfschule in den 30`ger Jahren 

Ursprünglich diente dieses Haus als Dorfschule. Als im Jahre 1897 in der Gemeinde Lendringsen, die bis 1936 noch Böingsen hieß, die Notwendigkeit bestand, eine sechste Schulstelle zu errichten, da traten die Bewohner von Lürbke mit der Bitte hervor, den Schulbau in der Lürbke auszuführen. 68 Lürbker Kinder gingen damals nach Lendringsen zur Schule.

Die königliche Regierung in Arnsberg unterstützte das Bestreben der Lürbker Einwohner, aber der Schulvorstand und die Repräsentanten standen dem Plan ablehnend gegenüber. Sie hatten beschlossen, diesen Schulneubau in Lendringsen zu errichten, und sie versuchten, bis zum letzten Augenblick diesen Beschluss zu verwirklichen.

Die Entscheidung fiel im Sommer 1897. In Lürbke erschienen der Landrat des Kreises Iserlohn, dabei Ehrenamtmann Wiemann und Lokalschulinspektor und Ehrendechant Röper, Menden. Sie erkannten die Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit eines Schulbaues in der Ortschaft Lürbke und wussten auch die Behördenvertreter davon zu überzeugen, dass sie dem Plan zustimmten. In dem Protokoll der Sitzung vom 4. August 1897 heißt es:

„In der heutigen, in ordnungsgemäßer Weise anberaumten gemeinschaftlichen Sitzung des Vorstandes und der Repräsentanten der Schulgemeinde Böingsen wurde wie folgt beschlossen:

1. Den von Kreisbauinspektor Lüttich in Hagen angefertigten Plan über den Schulneubau in der Lürbke anzunehmen und danach den Bau auszuführen. Die Bauausführung soll öffentlich meistbietend bei Witwe Düllmann in Lendringsen verdungen, auch soll das Gebäude nach Möglichkeit vor dem Winter im Rohbau fertig werden. Das nötige Baukapital soll bei der Landesbank - der Provinz Westfalen - angeliehen werden, und zwar mit 3 7/8 % verzinslich und 3 1/8 % Amortisation.

2. Den Beschluss vom 29.01.1897 aufzuheben und die Besetzung der Stelle in der Lürbke mit einem Lehrer zu beantragen.

Wie sehr die Bewohner von Lürbke bemüht waren, die Schule nach hier zu bekommen, geht auch daraus hervor, dass außer dem Bauplatz, den Bauer Ostermann und Land- und Gastwirt Schulte stifteten - zusätzlich eine Summe von 1.000,-- Mark aus freiwilligen Spenden zusammenkamen.

Bauunternehmer Hellmann erbaute die Schule. Am 30. Oktober 1898 konnte sie eröffnet werden. 16 Lehrpersonen haben in dieser Schule unterrichtet. Der 1. Weltkrieg brachte mehrmals kurz hintereinander einen Lehrerwechsel; der Unterricht brauchte aber niemals eingestellt zu werden. Ursprünglich diente das heutige Hubertusheim als Dorfschule. Im Jahre 1897 stimmte der Landrat des Kreises Iserlohn, der Bitte um einen Schulbau in Lürbke, zu. Am 30.Oktober 1898 konnte die Lürbker Dorfschule dann eröffnet werden. 16 Lehrpersonen haben in dieser Schule unterrichtet. Der 1.Weltkrieg brachte mehrmals kurz hintereinander einen Lehrerwechsel; der Unterricht brauchte aber niemals eingestellt zu werden.

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Aus weltanschaulichen Gründen aufgelöst

Dann kam für die Katholische Volksschule Lürbke das folgenschwere Jahr 1938. Es war der 5.Juni. Da lief ein Schreiben des Amtsbürgermeisters Friederici beim amtierenden Lehrer ein, das folgenden Inhalt hatte:
„ Der Reichs- und Preußische Minister für Wirtschaft, Erziehung und Volksbildung hat unter dem 9. Mai 1938 mit Verfügung EIIe Nr. 13891 die Katholische Schule in der Lürbke aufgelöst. Hierzu ordne ich folgendes an:

1. der letzte Schultag in der Lürbke ist der 25. Juni 1938

2. ab Montag, 27. Juni 1938 fahren die Schulkinder um 7.45 Uhr ab Schule Lürbke mit dem Omnibus nach Lendringsen und nehmen von dieser Zeit ab regelmäßig dort selbst teil.....“ gez. Friederici
Der Schulchronist schreibt hierzu: „ Es lag im Interesse der Allgemeinheit ( geringe Kinderzahl (32), Ersparnisse, Lehrermangel)“.

Erst acht Jahre später erfuhren die Lürbker die tieferen Gründe dieser Maßnahme. Es waren politisch weltanschauliche, denn in einem Handschreiben des Amtsbürgermeisters und SS-Führers Friederici lesen wir:
„ In der Lürbke wohnt ein Volk, das dem NS-Gedanken nicht zugänglich ist. Sie schicken ihre Kinder in die katholische Volksschule....“.

In der großen Einheitsschule, so glaubten die nationalsozialistischen Stellen, würden die Kinder schneller geistig uniformiert. Als die Lürbker Kinder auf die einzelnen Klassen der Lendringser Schule verteilt waren, musste der erste Jahrgang geteilt werden und der inzwischen nach Lendringsen versetzte Lehrer übernahm die zweite Hälfte der Klasse mit 35 Kindern. Der genannte Lehrermangel traf also nicht zu und das Omnibusfahren von Amtswegen, das sehr schnell eingestellt wurde, war sicher auch keine Ersparnis.

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Die Schule dient als Gefangenenlager

Hinweisschild auf NS Gefangenenlager in der Lürbke 

Ist hiernach verwunderlich, dass die Schule mit Beginn des 2. Weltkrieges als Gefangenenlager eingerichtet wurde? Im Oktober 1939 zogen 30 Polen, später Franzosen als Gefangene ein. Ein 2 m hoher Stacheldrahtzaun umgab das ehemalige Schulgebäude, Splitterschutzgräben wurden ausgehoben. Die großen Bäume, die auf dem Schulhof standen und die Schule in ein schmuckes Grün gebettet hatten, wurden gefällt und wanderten zum Heizen in die Öfen der Gefangenen. Jeder Wachposten änderte das Gesicht der Schule. Sie wurde zum Schandfleck in unserem friedlichen Biebertal. Nur die Gemeinde verdiente täglich an jedem Kriegsgefangenen 75 Pfennig für die Unterbringung.

Nach dem Kriege 1939/45 stand die Schule leer. Sie war eine einzige Trümmerstätte. Nur die nackten Wände standen noch. Türen und Fenster waren herausgerissen, es fehlten Wasser und Licht. Hinter den Eisengittern der Fenster nisteten unzählige Schwalbenpaare, und sonstiges Ungeziefer bevölkerte das ehemalige Schulgebäude.

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Wiederaufnahme des Schulbetriebs 1946

Schulklasse mit Lehrer Karl Hunger 1949 

Doch die Lürbker gaben den Kampf um ihre Schule nicht auf. Noch einmal griffen sie in die Speichen des Schulrades. Zunächst erwirkten sie durch Anträge an den Oberpräsidenten in Münster die Genehmigung zur Aufnahme des Unterrichts, und dann gingen sie mit Tatkraft und Liebe an die mühevolle Arbeit, das total verwahrloste Gebäude instand zu setzen.

Das war jedoch leichter gesagt als getan, die erforderlichen Steine, Hölzer, Fensterscheiben, Farben, Bänke und sonstigen Einrichtungsgegenstände zu beschaffen, noch schwerer, einen Handwerker zu bekommen.
Jeder arbeitete nur dort, wo er Lebensmittel bekam oder tauschen konnte, um sich in dem wirtschaftlichen Chaos der Nachkriegszeit am Leben zu erhalten.

Einige Jahre später konnte die Schule um Nebenräume erweitert werden für Handarbeit, Werken und Physik, aber auch um einzelne Schüler in bestimmten Fächern besonders fördern zu können.

Das endgültige "Aus"

22 Jahre konnte erneut in dieser Schule segensreich gewirkt werden. Sie war nicht nur der schulische, sondern auch der kulturelle Mittelpunkt des Dorfes. Dann kam unerwartet das Aus. Durch die Schulreform des Landes NRW mussten alle kleinen Schulen schließen. Das traf 1968 auch für die Lürbker Schule zu, ein Trauertag für das ganze Dorf.

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Die Bruderschaft pachtet das Gebäude

Dorfschule 1962 

Aus dem bisher Gesagten ist sicher klar geworden, welcher Geist die Lürbker Bürger immer beseelt hat. Sie waren in Notzeiten immer zur Stelle. Und nun ist es 1968 die Bruderschaft St. Hubertus, die versucht, diesen kulturellen Mittelpunkt inmitten der Ortschaft Lürbke zu erhalten. Sie pachtet zunächst von der Gemeinde die Schulräume an und nutzt sie als Vereinsheim. Der Vorstand nimmt Verbindung zu unserem damaligen langjährigen Bürgermeister Otto Weingarten auf, und durch seine Fürsprache und sein Engagement gelingt es, das Schulgebäude mit Grundstück für ca. 70.000,-- DM von der Stadt Menden zu kaufen. Es war im Mai 1978.

 

Erweiterung zum Hubertusheim

Schon bald kamen die ersten Gedanken und Überlegungen auf, die Schule zu einem würdigen Hubertusheim zu erweitern und zu gestalten. Architekt und Schützenbruder Franz Semer erstellte Pläne und erklärte sich spontan dazu bereit, Entwurf und Bauleitung kostenlos zu übernehmen. So fasste am 23. Januar 1988 die Generalversammlung der Bruderschaft den einstimmigen Beschluss, das Werk nach dem endgültigen Plan in Angriff zu nehmen. Lieber Franz Semer, die Bruderschaft dankt Dir, Du hast Dich um die Lürbke verdient gemacht.

 

Die Verwirklichung des Plans

Was viele sicher nicht für möglich gehalten haben, das Gemeinschaftsbauwerk ist in 1 1/2 -jähriger Bauzeit gelungen, dank des Einsatzes der Schützenbrüder je nach Begabung und Beruf. Am 11.November 1989 weiht unser Präses Rupert Bechheim das hervorragend gelungene Hubertusheim ein, ein Freudentag für die ganze Lürbke.

Der Umbau
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Vereinsheim St. Hubertus Lürbke 1997

 

Die Einweihung der Metallplastik

Hier eine kurze Darstellung über die gelungene und von den Schützen eindrucksvoll gestaltete Feier am Sonntag, 7. September 1997.

Der Tag begann mit einem feierlichen Hochamt in der St.- Hubertus-Kapelle, in dem eingangs unser Präses Rupert Bechheim die Schützenbrüder aufforderte, wie bisher das Erlebnis echter Gemeinschaft zu pflegen, den Menschen Freude und Frohsinn zu schenken und im Notfall ihnen jede notwendige Unterstützung und Hilfe angedeihen zu lassen.
Im Anschluß an den Gottesdienst marschierten die Schützen und etwa 400 weitere Freunde der Bruderschaft zu den Klängen der Musik des Musikzuges Heggen und dem Spielmannszug Lürbke zum Hubertusheim.
Der 1. Brudermeister Ulrich Ostermann begrüßte die Gäste und erläuterte in seiner Festrede die Geschichte der Bruderschaft, besonders den Weg des alten Schulgebäudes von der Dorfschule zum Hubertusheim und erklärte sodann eingehend die neue Metallskulptur, nachdem die erste Königin der Bruderschaft von 1948, Frau Katharina Kordes, und die amtierende Königin von 1997, Frau Jutta Tillmann, sie enthüllt hatten.

Zur Metall-Plastik selbst führte er aus:

Unsere Skulptur trägt den Namen“ Sankt-Hubertus-Lürbke“. Es ist Herrn Prause hervorragend gelungen in dieser Skulptur eine gute Verbindung zwischen unserem Schutzpatron St. Hubertus, unserer Sauerländer Heimat und unserer Ortschaft Lürbke zu gestalten.
Die Skulptur ist 2,20 Meter breit und 2,15 Meter hoch, sie zeigt ein gewelltes Band, das die hügelige Landschaft in Lürbke andeuten will. Das mittlere schmalere Band weist dabei auf den nahen Lauf der Bieber hin.
Im linken Teil der Skulptur wird in stilisierter Form auf die waldreiche Umgebung z. B. des Luerwaldes aufmerksam gemacht.
Die drei Jagdspieße verweisen auf den Jäger Hubertus, den einstigen Bischof hin. Er lebte von 655 bis 727.

Die Legende schildert ihn zunächst als „ wilden Jäger“, der bei einer verzweifelten Jagd auf einen imposanten Hirsch - zwischen dessen Geweih plötzlich ein strahlendes Kreuz als Zeichen Christi gesehen haben soll – und daraufhin das Kreuz fortan zum bestimmenden Zeichen seines künftigen Tuns und Lebens machte.
So steht denn auch das hohe, schlanke Kreuz inmitten des von symmetrischen Bögen angedeuteten Hirschgeweihs im Mittelpunkt der Metallplastik.
Es will somit gleichsam der Wegweiser für uns alle sein. Es überragt als Symbol auch die Lürbker Kapelle mit ihrem soliden Bruchsteinmauerwerk.
Zwei zum Blasen aufgerichtete Fanfaren daneben, stehen nicht nur für Jagdsignale, sondern fordern zur Teilnahme an unseren verschiedenen Festen auf, vor allem beim jährlichen Schützenfest und natürlich auch zur heutigen Einweihung.
Doch diese Skulptur ist für uns mehr als ein Geburtstagsgeschenk zum 50 jähr. Vereinsjubiläum ( 1948-1998), sie soll als Dank an die Lürbker Schützenfamilie, und an alle verstanden werden, die sich im Laufe der Vereinsgeschichte zum Wohle und für die Belange der Bruderschaft eingesetzt haben.
Für unser Vereinsheim soll sie als äusseres kulturelles Zeichen gelten.
Für die Zukunft haben wir gemeinsam die Aufgabe, das hier Geschaffene - ( ob das Gebäude innen wie auch aussen, das gesamte Grundstück und natürlich unsere Metall-Skulptur) in gutem Zustand zu erhalten und zu pflegen.
So mag diese Plastik „ Sankt-Hubertus-Lürbke“ uns allen gleichermaßen zum Segen werden, wenn wir uns zum Glauben bekennen, wie zur Freude bei festlichen Anlässen.“
Danach nahm der Präses, Pfarrer Rupert Bechheim, die feierliche Segnung der Plastik vor, in die er alle Anwesenden einschloss.
Bürgermeister Rudolf Düppe, Menden, überbrachte herzliche Grußworte, ging besonders auf die Wichtigkeit eines intakten Dorflebens ein und meinte abschließend: „ Wie die Hüingser erst Hüingser sind, so sind die Lürbker erst Lürbker und dann Mendener, und das ist gut so.“
Der Musikzug Heggen, der auch die Feier musikalisch umrahmte, spielte noch einige Stunden zu einem geselligen Beisammensein am Hubertusheim fröhlich auf.

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